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  • Matthias Bernhardt

THEMA DES MONATS MAI


Von einer Plagiocephalie oder einer Schädelasymmetrie beim Säugling spricht man, wenn sich der Kopf eines Kindes schief verformt.


Die Häufigkeit dieser Kopfformveränderungen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Waren in den 70er Jahren nur etwa 1% der Kinder betroffen, variiert die Zahl in heutigen wissenschaftlichen Studien zwischen 10 und 48 Prozent.

Man unterscheidet dabei zwischen zwei Arten von Asymmetrien:


  • Verformungen, die bereits vor der Geburt, durch die Lage im Mutterleib oder unter der Geburt entstanden sind

Diese Verformungen bilden sich im Allgemeinen rasch spontan zurück und bedürfen

daher keinerlei besonderer Therapie.


  • Lagerungsbedingten Kopfasymmetrien

Hier ist das ständige auf dem Rücken liegen oder das dauerhafte zu einer Seite schauen

des Kindes als Auslöser zu sehen.

Da diese Zwangshaltungen immer eine Ursache haben, ist eine Kontrolle durch einen

Orthopäden oder einen Osteopathen unbedingt anzuraten. Diese sind dann auch in der

Lage, die dahinter befindliche Ursache zu diagnostizieren und zu beseitigen.

Die Folgen einer Asymmetrie beschränken sich nicht nur auf den kosmetischen Aspekt. Vielmehr hat eine solche Kopfformveränderung auch weiterführende Folgen:


So haben viele Säuglinge eines oder mehrere der folgenden Symptome:

  • eine ausgeprägte Lieblingsseite

  • Still- oder Trinkenprobleme

  • Schreistunden, besonders in den Abendstunden

  • häufiges Spucken

  • Überstrecken

  • Schlafstörungen

  • allgemeine Unruhe

  • Auffälligkeiten bei der Bewegungsentwicklung

In zunehmendem Alter entstehen zusätzlich:

  • Verzögerungen im Bereich der Sprachentwicklung,

  • Verzögerungen im Bereich der kognitiven Entwicklung und daraus resultierend Lernprobleme in der Schule

  • Verengungen des Hörgangs im Ohr und daraus resultierend einen Hörverlust

  • Fehlbiss bzw. Zahnfehlstellungen im Jugendalter

  • Skoliotischen Fehlbildung der Wirbelsäule

  • gestörte Körperwahrnehmung im Erwachsenenalter

Ein Gespräch mit den Eltern ist die einfachste und effektivste Möglichkeit, um lagerungsbedingte Kopfformveränderungen zu verhindern. Dabei sollten die Eltern über die möglichen Entstehungsmechanismen und damit die Vermeidung einer lagerungsbedingten Deformität des Köpfchens aufgeklärt werden.

Auch sollten präventiv Maßnahmen wie die Kontaktaufnahme von verschiedenen Seiten, zum Beispiel beim Halten oder der Ansprache des Kindes, der Wechsel der Blickrichtung zum Fenster oder zum Licht durch das drehen des Kindes im Bett oder das locken des Kindes z.B. mit Spielzeug zur „ungeliebten“ Seite besprochen werden.

Eine weiter präventive Maßnahme ist die Nutzung eines Lagerungskissens. Diese Kissen haben meist eine Aushöhlung in der Mitte und verhindern damit den direkten Kontakt des Kopfes mit der Unterlage. Ein weiteres „flachliegt“ des Köpfchens wird dadurch gestoppt.

Ein solches Kissen kann auch zur Therapie einer bereits entstanden Abflachung verwendet werden, da es der Verschlimmerung Schädelasymmetrie entgegenwirkt und die Rückbildung der natürlichen Kopfform unterstützt.


Solche Kissen findet man unteranderem auf der Seite www.dreikaesehoch24.org

Die Behandlungsansätze bei einer Asymmetrie des Kopfes richten sich vor allem nach dem Therapiebeginn, bzw. nach der Ausprägung der Abflachung. Dabei spielen, neben der Wunschvorstellung der Eltern hinsichtlich einer schönen Kopfform des Kindes, vor allem die zu erwartenden medizinischen Spätfolgeneine entscheidende Rolle.


Lagerung


Wie bereits unter dem Punkt PRÄVENTION besprochen ist dies der einfachste therapeutische Ansatz und kann jederzeit durch die Eltern durchgeführt werden. Die aktive, wechselseitige Lagerung beziehungsweise die Lagerung zur nicht betroffenen Seite des Kopfes, besonders in Rückenlage, sind dabei das Mittel der Wahl

Bei moderatem Schädelasymmetrien kann die Lagerungstherapie alleine bereits ausreichend sein und sich dadurch die Kopfform wieder normalisieren.


Lagerungshilfen, wie z.B. die oben erwähnten Kissen werden in einigen Studien als sinnvolle Therapie beschrieben, welche mit dem Erfolg einer Physiotherapie vergleichbar oder dieser sogar überlegen sind. Allerdings wird in den aktuellen Leitlinien zur Prävention des plötzlichen Kindstodes deutlich darauf hingewiesen, dass das Bett eines Babys frei von Kissen sein sollte, daher empfiehlt sich der Einsatz des Kissens vor allem in den Wachphasen des Säuglings.


Osteopathie


Die häufigste Ursache einer Plagiocephalie ist eine Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule, besonders im Bereich der Hals- und Brustwirbel. Zwar wird in der Literatur kein optimaler Behandlungsbeginn festgelegt, doch kann ein frühzeitiger therapeutischer Ansatz die Ausprägung der Asymmetrie deutlich reduzieren und die Normalisierung der Kopfform beschleunigen.


Physiotherapie


Durch die Zwangshaltung des Kopfes entstehen unwillkürlich auch muskuläre Dysbalancen bei dem Säugling. Daher sind beispielsweise passive Dehnung oder die Therapieansätze nach Bobath oder Vojta empfehlenswert.

Sie verkürzen zusätzlich die Therapiedauer und verbessert die Ergebnisse bei schwergradigen Formen. Studien belegen, dass die Kombination aus Osteopathie, Physio- sowie Lagerungstherapie gerade bei Kindern unter dem 6. Lebensmonat in nahezu 70% der Fälle zu einer Normalisierung der bestehenden Asymmetrien führt.


Helmtherapie


Bei schwergradigeren Schädeldeformitäten empfiehlt sich der Einsatz einer Kopforthesen- oder Helmtherapie.

Hierbei wird eine Kopforthese individuell für den betroffenen Säugling angefertigt, sodass diese drucklos anliegt und das physiologische Wachstum des Köpfchens führt, indem sie das Wachstum in den abgeflachten Bereichen zulässt und in den zu prominenten Teilen des Kopfes hemmt. Dadurch kommt es zu einer sanften Rückbildung der Kopfform.

Um dies zu erreichen muss der Helm 23 Std. täglich getragen werden.

Eine Helmtherapie ist vor allem dann zu empfehlen, wenn sich durch die vorangegangen Therapiemaßnahmen, wie Osteopathie, Physio- sowie Lagerungstherapie die Verschiebung des Kopfes auch nach dem 4 Lebensmonaten noch nicht verbessert hat.


Die Kosten einer Helmtherapie liegen bei ungefähr 2.000, -- bis 2.500, -- Euro und werden nur in den seltensten Fällen von den Krankenkassen übernommen.

Die Therapie einer lagerungsbedingten Schädelasymmetrie sollte möglichst früh starten. Je später die Therapie einsetzt, desto schwieriger ist die Behandlung.

So können am Anfang gezielte Lagerungsmaßnahmen, sowie osteopathische und physiotherapeutische Behandlungen bereits eine effektive und ausreichende Therapie darstellen.

Die Helmtherapie sollte therapieresistenten und schwergradigen Formen, bzw. bei einem Therapiestart am Ende des 1. Lebensjahres vorbehalten sein.

Ein später Beginn der Therapie zieht immer eine Beeinträchtigung des Therapieerfolges nach sich.


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Dein

Matthias Bernhardt

Msc. pead. Ost./ Dpo (D)


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